Anbruch

Licht-Installation von Nick & Clemens Prokop

Seit dem 1. Advent erhellt die Lichtinstallation von Nick & Clemens Prokop die Kapelle und den Garten des aki. Das diesjährige Kunstwerk ist geprägt von minimalen Veränderungen und einer Reduktion auf das Wesentliche. So schult es uns die bewusste Wahrnehmung des Raumes und unseren Blick für Details. Es ist auch die Suche nach dem Ruhepunkt und einer Kraftwerdung im Advent. Das Adventsmotto «Anbruch» prägt in besonderer Weise die Installation: Anbruch, als die Summe der Möglichkeiten; Anbruch als zunehmende Gewissheit für das Kommen von etwas Neuem. Wie Clemens Prokop sagt: Anbruch ist noch nicht die Morgenröte, aber die Ahnung davon.» In der Adventszeit erfüllt diese Ahnung auch uns mit der Vorfreude auf das baldige Aufgehen des Lichtes aus Betlehem.

Die Lichtinstallation ist bis 19. Dezember 2020 täglich zugänglich von 8:15-19 Uhr. Das aki lädt herzlich ein, sie bestaunen und auf sich wirken lassen zu kommen.

Galerie

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Über die Installationen im Einzelnen

Kapelle

Das zentrale Thema der Kapelle ist das einfliessende Licht. Begleitet von dem Stück «Una Mattina», von Ludovico Einaudi, strömen die Lichtstrahlen nach und nach durch die bunten Fenster der Kapelle und sind schliesslich an der Decke immer deutlicher zu sehen. Die Musik untermalt das Hereinbrechen des Lichts und seine zunehmende Sichtbarkeit. Erst ist es eine Ahnung, dann eine Gewissheit und versinnbildlicht damit den Anbruch.

Anders als in der Installation des letzten Jahres, in der aus vielen Lichtstäben ein Adventskalender entstanden ist, sehen wir in der diesjährigen Installation nur wenige. Sie formen zwei gegeneinander versetzte offene Dreiecke. Das Dreieck am Boden zeichnet die ungewöhnliche Geometrie des Altars nach. Das zweite Dreieck, dass an der Spitze erhöht ist, führt die Linien des Altars weiter. In der Betrachtung entwickeln sich aus dem Gedanken der Tischgemeinschaft zwei zentrale Geometrien: ein Kreuz einerseits; ein Stern andererseits.

Die Kapelle wurde bewusst nicht umgestaltet und soll in ihrer «normalen» Gestalt erfahren werden. Der Adventskranz ist dabei genauso Teil wie die Gebetskerzen am Bildstock. In Kombination mit dem roten Ewigen Licht sind sie der entscheidende Kontrapunkt zur Morgenkühle der Lichtinstallation.

«Als Lichtkünstler kann ich gegen die Kraft einer echten Kerze nur verlieren», sagt Clemens Prokop. Aus diesem Grund entschied er sich für kühle Blautöne, welche die existierenden Farben, wie zum Beispiel das warme Orange der Kerzen, ergänzen.

Garten

Das Prinzip der Einfachheit prägt auch die drei blauen Licht-Stelen des Gartens. Zwischen ETH und Central sollen leuchtende Ruheinseln geschaffen werden. Jede Stele unterscheidet sich in dezenter Weise in ihrem Blauton und erinnert bewusst an die geheimnisvolle Stele in Stanley Kubricks Filmklassiker 2001: «A Space Odyssey». Auch im aki-Garten stellen diese rätselhaften Objekte die Frage nach der Existenz: Warum bin ich hier? Was ist meine Aufgabe?

Ihre klare, kühle Geometrie steht in krassem Gegensatz zum mächtigen Baumbestand. Bewusst imitieren sie in der Farbgebung keine Kerzen – auch hier die Entscheidung zur Reduktion. Sie dienen der Ergänzung des Bestehenden und wollen nicht mit dem Adventszauber der Stadt oder den Lichtern der Roratefeiern konkurrieren.

Zu jeder Stele gehört eine kleine Glocke, die in der Nähe von einem Ast hängt. Sie sind eine Möglichkeit für Klang – kein Windspiel, sondern sie wollen angeschlagen werden. Jede Glocke klingt anders, so wie auch die Stelen in unterschiedlichen Farbtönen leuchten. Auch das ist Advent als Anbruch: eine Summe unserer Möglichkeiten.

Die Künstler

Nick & Clemens Prokop entwickeln und gestalten mediale Konzertinszenierungen.

Ihr besonderes Interesse gehört dem künstlerischen Einsatz von digitaler Technologie, wie etwa Projection Mapping, Interaktion und immersiven Lösungen. Ihre interaktive Musiktheaterbühne Virtostage ist Teil der ständigen Ausstellung im Haus der Musik (Wien/Mexiko).

Geboren im bayerischen Rosenheim in eine Künstlerfamilie, begannen Nick & Clemens schon als Jugendliche, gemeinsam zu improvisieren. „Silent Images“, eine über ein ganzes Dorf verteilte Klanginstallation, markierte den Beginn ihrer gemeinsamen Arbeit. Eine besondere Verbindung haben sie mit Kent Nagano, für den sie einen interaktiven „Sacre du Printemps“ in einem AUDI-Presswerk sowie den Saisonauftakt der Hamburgischen Staatsoper im Hamburger Planetarium realisierten.

Aktuelle Projekte entstehen mit dem Rundfunkchor Berlin („Time Travellers“) sowie anlässlich des Beethoven-Festjahres in der Tonhalle Düsseldorf. Als Keynote Speakers eröffneten Nick & Clemens Prokop die TEDx Konferenz „The Future of Creativity“ an SUNY Potsdam, NY („How Technology Threatens the Arts – and Five Ways to Escape Creative Dead-Ends“).

Die eigene Arbeit zu reflektieren und gerade mit jungen Künstlern den Diskurs zu suchen, ist ein besonderes Anliegen. Education-Projekte, Masterclasses und Workshops sind deshalb wichtiger Teil des Engagements (u.a. Verbier Festival, Royal Academy of Music London, Gasteig München).

Als Musikproduzenten arbeiteten Nick & Clemens Prokop mit Künstlern in Deutschland, Österreich, der Schweiz, in Italien, Japan, den Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada sowie im Dschungel von Paraguay. Mehr…