Schenke groß oder klein, aber immer gediegen. Wenn die Bedachten die Gabe wiegen, sei dein Gewissen rein. Schenke herzlich und frei. Schenke dabei, was in dir wohnt an Meinung, Geschmack und Humor, so daß die eigene Freude zuvor dich reichlich belohnt. Schenke mit Geist, ohne List. Sei eingedenk, daß dein Geschenk du selber bist. ~Joachim Ringelnatz
Die Tradition, sich an Weihnachten zu beschenken, lässt sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen und hat tatsächlich christliche Wurzeln: Die Geschenke sollen an die Geburt Jesu – als weihnachtliches Geschenk Gottes an die Menschen – erinnern. Das Matthäus-Evangelium erzählt von den drei Gaben, Gold, Weihrauch und Myrrhe, der Heiligen Drei Könige an das Jesuskind.
Damit die Tradition der heutigen Weihnachtsgeschenke entstehen konnte, musste sich gesellschaftlich und wirtschaftlich etwas verändern. Im 16. Jahrhundert war im christlich-europäischen Kulturkreis ein anderes Datum mit Geschenken verbunden, nämlich der 6. Dezember zu Ehren des heiligen Niklaus von Myra. Die Reformatoren, vor allem Martin Luther, sahen die Verehrung von Heiligen jedoch kritisch. Allein Jesus sollte im Zentrum stehen. Dazu hat er den Brauch des Schenkens einfach auf Weihnachten verschoben und das Christkind so zum Gabenbringer gemacht.
Das Schenken an sich ist jedoch anderweitig fest im Christentum verwurzelt. Das Wort kommt von «Ausschenken» und stammt aus dem Mittelalter, wo es beschrieb, wie durstige Wanderer mit Wasser versorgt wurden. Durch das Neigen des Wasserkruges nämlich, das Senken, konnte das Wasser geteilt werden. Dieses Teilen muss aber nichts Materielles sein. Es bedeutet im christlichen Sinne, sich einem Menschen zuzuwenden und Nächstenliebe zu zeigen, also «Liebe schenken».
